wach blibe

ich fahre ufde autobahn, znacht am halbi zwei,
135 mit dem tämpomat, no anderhalb schtund bis hei.
„i miss you so!“ huchts usem radio,
bi niderbipp verbi,
wo isch dänn jetz de blöde chaschte xi?
ich mues wach blibe, wach blibe,
ich mues unbedingt zgunzge en kafi ha.

er hätt xeit, es werd echli spöter, ich söll nöd warte uf in,
e gschäftlichi besprächig, en wichtige termin.
am zischtig scho ischer so schpat heicho,
und das witerbildigswuchenänd im emmetal,
und dänn im handschuefach de rosa sideschal?
ich mues wach blibe ...

die bouschtell hört und hört nöd uf,
uf eimal stigt min wage uf,
ich ha gar nöd gwüsst, dass de au flüge cha!
plötzlich häter en propeller
und zwei flügel, swird scho heller,
under mir taucht smeer uf, lueg auda!
ich lande sanft in st. tropez,
doch was muesi dete xe:
min heiri de schpaziert am strand
mitre junge blondine hand in hand,
im strahlend helle sunneschi!
nei, das chanu es brämsliecht si!
hueresiech! isch das knapp xi!

ich fahre uf de autobahn znacht am foif ab zwei,
im radio bringeds nachrichte, inre guete stund bini dehei.
si säged pinguin gäbs scho bald nuno im zoo,              
well sis schmilzt ade pole und sgäld ufde banke,
und ich blibe sta, wänni nöd bald tanke,          
ich mues wach blibe ...

übersetzung

ich fahre auf der autobahn, nachts um halb zwei,
135 mit dem tempomaten, noch eineinhalb stunden bis nachhause.
„i miss you so!“ haucht eine stimme aus dem radio,
bei niederbipp vorbei, wo war denn jetzt dieser blöde blitzer?
ich muss wach bleiben, wach bleiben,
ich brauch dringend in gunzgen* einen kafffee.

er sagte, es werde etwas später, ich solle nicht auf ihn warten,
eine geschäftliche besprechung, ein wichtiger termin.
schon am dienstag kam er so spät nachhause,
und das weiterbildungswochenende im emmental,
und im handschuhfach der rosa seidenschal?
ich muss wach bleiben …

diese baustelle nimmt kein ende,
auf einmal hebt mein wagen ab,
ich wusste gar nicht, dass der auch fliegen kann!
pötzlich hat er einen propeller
und zwei flügel, schon wird es heller,
schau, unter mir taucht das meer auf!
ich lande sanft in st. tropez,
doch was seh ich dort:
mein heinrich spaziert am strand
mit einer jungen blondine hand in hand,
im strahlenden sonnenschein!
nein, dass kann nur ein bremslicht sein!
verdammt, das war knapp!

ich fahre auf der autobahn, nachts um fünf nach zwei,
im radio laufen die nachrichten, noch eine gute stunde bis nachhause.
sie sagen, pinguine gäbe es bald nur noch im zoo,
weil das eis an den polen schmelze, das geld auf den banken schmelze auch,
und ich bleibe stehen, wenn ich nicht bald auftanke,
ich muss wach bleiben ...

*gunzgen liegt auf 429 m ü. M., 7 km südwestlich des bezirkshauptortes olten (luftlinie). das dorf erstreckt sich in der dünnernebene nahe dem jurasüdfuss im sogenannten mittelgäu des solothurner mittellandes. wegen seiner beiden autobahnraststätten gunzgen-nord und gunzgen-süd erlangte es über die region hinaus bekanntheit.

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