grossi liebi

sihät sich i in verliebt unschterblich und total,
wies im läbe nu passiert eneinzigsmal,
sihät gwartet schtundelang
vorsim büro ufem gang
mit sälbergmachte zimetschtern,
die häter psunders gern.
hät geschtande iri liebi offe, ehrlich, schnörkelfrei,
imene  brief voll schwärmerei,
doch ischalt wist ersi ab.
sihät gmeint si müesi schterbe, zgrundga oni in,
hät schlussäntli und zum glück no gmerkt, das hät kän sinn.

10 jar spöter ganz per zuefall
träffed si sich ame ball,
plötzli göndim daugenuf
und erchunt äntli doch no druf:  
das wär sini traumfrau xi,
ufde chnü beschtürmt er si,
doch si seit „weisch, jez ischs zschpat,
läb wohl, machs guet“ und gat.

er ganz ellei ufde chnü ufdere tanzflächi, mit verhületem xicht, chunt schier nümenufe wägem miniskus, en elteri dame hät vebarme und hilftem, nei, isch das pinlich! und zu allem eländ ane höred jez auno all uf tanze, träedsich wie abmacht zu im und fanged allmitenand im chor a singe:

mitde grosse liebi isches halt doch meischtens so:
hoffsch vergäbe, släbe isch kein film us hollywood.

 

Grosse Liebe

Sie hatte sich in ihn verliebt, unsterblich und total,
wie es im Leben nur ein einziges Mal passiert,
sie wartete stundenlang im Flur vor seinem Büro auf ihn,
mit selbstgebackenen Zimtsternen, die mochte er besonders.
Offen, ehrlich und schnörkelfrei gestand sie ihre Liebe
in einem Brief voll Schwärmerei, doch eiskalt wies er sie ab.
Sie glaubte sterben zu müssen, zugrunde zu gehen ohne ihn,
zum Glück merkte sie schliesslich doch noch, dass das keinen Sinn hat.

10 Jahre später traffen sie sich per Zufall auf einem Ball wieder.
Plötzlich gingen ihm die Augen auf und er erkannte, dass sie seine Traumfrau war.
Er sank vor ihr auf die Knie, doch sie antwortete: "Weisst Du, jetzt ist es zu spät, leb wohl, machs gut!“ und ging davon.

Er blieb ganz allein auf den Knien auf der Tanzfläche zurück, mit verheultem Gesicht, kam kaum mehr hoch, so schmerzte ihn sein Meniskus, eine ältere Dame erbarmte sich seiner und half ihm aufzustehen. Nein, wie peinlich! Zu all dem Elend hinzu kam, dass die Ballgäste zu tanzen aufhörten, sich wie verabredet zu ihm wandten und im Chor zu singen begannen:

Mit der grossen Liebe ist es halt doch meistens so:
Du hoffst vergebens, das Leben ist kein Film aus Hollywood.

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